A K T U E L L E P R E S S E M I T T E I L U N G . . . . . . . .

Papierberge statt Papiersparen -

Politischer Wille zum nachhaltigen Papierverbrauch fehlt

Berlin, 9. Oktober 2007
 

In einem dringenden Appell wenden sich 12 Umwelt- und Verbraucherschutzverbände an die deutsche Politik, um konkrete Maßnahmen für einen nachhaltigen Papierverbrauch hierzulande anzumahnen. Konkret fordern sie die Reduzierung des deutschen Papierverbrauches um 50%, einen maximalen Einsatz von Recyclingpapieren in öffentlichen Einrichtungen sowie eine effektive Bekämpfung des Handels mit dem Papierrohstoff Holz aus illegalen Quellen.

Zentraler Anlass des Appells sind die aktuellen Zahlen zum hohen Papierverbrauch in Deutschland: 252,7 kg verbrauchte jede/r Deutsche 2006, so viel wie noch nie zuvor. Der Verbrauch ist damit in den vergangenen 55 Jahren um das Achtfache gestiegen. Die Deutschen liegen beim Gesamtpapierverbrauch im internationalen Vergleich auf Platz vier hinter den USA, China und Japan. Bereits in dem Worldwatch-Bericht „Paper Cuts“ von Ende 1999 wurde jedoch die Reduzierung des Papierkonsums der Industrienationen um ein Drittel bis 2010 empfohlen, damit Entwicklungsländern genügend Rohstoffe für den waschenden Papierbedarf zur Verfügung stehen. Von diesem Ziel ist Deutschland entfernter denn je, 1997 (Basisjahr des Berichtes) lag der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland bei 197 kg.

„Ein Umdenken ist somit bei Politik, Wirtschaft und Verbrauchern dringend notwendig. Die Bundesregierung ist in diesem Kontext in besonderem Maße gefordert, ein solches Umlenken durch eine Bildungsoffensive und Papiersparprogramme gezielt voranzutreiben“, fordern die Verbände. Enttäuschend seien die bisherigen Aktivitäten vieler Verantwortungsträger in diesem Bereich.

Weltweit verursacht der steigende Papierverbrauch eine wachsende Nachfrage nach dem Rohstoff Holz, der für die Papierherstellung benötigt wird. Hunderttausende Hektar Wald fallen alljährlich dem „Holzhunger“ der Zellstoff- und Papierindustrie zum Opfer, nicht selten stammt das Holz aus illegalen Quellen. Immer mehr Zellstoffplantagen werden angebaut, um den weltweit wachsenden Papierbedarf befriedigen zu können.
Auch beim Thema „Ausschluss von Raubbaupapieren“ stellen die Verbände der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus. Die Große Koalition habe sich bisher vor der politischen Verantwortung gedrückt. „Statt klare Regeln aufzustellen und ein Urwaldsschutzgesetz auf den Weg zu bringen, bremst die Bundesregierung solche Initiativen aus. Damit werden die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zu unfreiwilligen Komplizen von Raubbaukonzernen, die Menschenrecht und Umweltschutz grob verletzten“.

Den heutigen öffentlichen Appell wollen die Umwelt- und Verbraucherschützer als eindringliches Signal an die Bundesregierung verstanden wissen, immer größeren Papierbergen durch konsequentes Papiersparen entgegenzutreten und illegaler Waldzerstörung durch effektive Gesetze einen wirksamen Riegel vorzuschieben.

Die zwölf unterzeichnenden Organisationen und Verbände sind:

Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz (ARA), Bundesverband für Umweltberatung (bfub), Forum Umwelt und Entwicklung, Forum Ökologie und Papier (FÖP), Greenpeace Deutschland, Klimabündnis, NABU, Pro Regenwald, ROBIN WOOD e.V., urgewald, Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Download des Papier-Memorandums als pdf-Datei (1,2 MB) zum Download: Papier-Memorandum
Download Kurzform des Papier-Memorandums mit Appell (1,1 MB) zum Download:Kurzform des Papiermemorandums
zurück